Chronik der Meerlbe

« … Die Schifffahrt entlang der seichten Wattwaterküsten von NiederUntertiefelanden kommend gen Meerlbe war erschöpfend. Die Wattflächen mit deren Prielen und Seegatten glitzerten nach dem Regen um uns herum. Kilometerweit nach Norden und Süden ist im Meerlbe-Delta nur vom Wind gestreiftes Wasser zu sehen. Am Bug messen B. und N.vorsichtig die Wassertiefe. Die Brackgewässer unter dem Kiel sind bei Hochwasser glatt wie Schokopudding. In unmittelbarer Nähe der Lagune aber sind dutzende türkisblaue Süsswasserseen zu sehen, wo Sumpfschildkrötenkolonien und Robben auf Sandbänken klopfige Töne hören lassen. Wie ein Momentum der Stille, wenn die Tide ihren Höhepunkt erreicht »

Die Chronik der Meerlbe ist Teil der Chronikenreihe WassErde ~ Wasserchroniken. Die Wasserchroniken stellen eine Erkundungsmethode vor, die Schreiben und kritische Kartographie, Fiktion und Realität von Wassermilieus miteinander verbindet. Chronik der Meerlbe ist ein mehrhändiger ortsgebundener kritischer Schreib- und Kartographiemoment: Wir erkunden die Elbe (Hafen, Gewässer, Ufer, Flussmündung, uvm.) und produzieren Texte und Karten, die während einer Performance als Lesung im öffentlichen Raum zu erfahren sein werden.
Sich von WassErde, vom Wasser als Milieu (Umwelt) und Biotop in überfluteten Häfen, umgeben von Industrien, inspirieren zu lassen, bedeutet Wasseroberflächen, die wir zu kennen glauben, anders zu betrachten und sich im Landmilieu der Elbe, welches wir ebenfalls zu kennen glauben, fremd zu machen.

Wenn das Wasser steigt [+2,3m in 2030, IPCC Bericht], wie sehen die Flüsse Europas aus? Wie ist das Leben in einer Landschaft und einem Biotop aus Wasser und Land: einer WassErde?

« … In EAUropa ist die Wattwaterküste bislang am stärksten von der Überflutung des Landes und des mächtigen Tempos von Ebbe und Flut betroffen. Trotz der beispiellosen Investitionen konnten viele große verDammte Hafenstädte die Verbreitung des Deltas der Meerlbe nicht vermeiden.
Abgesehen von den wenigen StadtEinseln, die sich hinter ihren immer höheren Betonmauern verschanzt haben, sind die meisten Küsten, Flussmündungen und ländlichen Gebiete, die heute den großen Wassermassen frei ausgesetzt sind, teilweise entvölkert. Diejenigen, die nicht in den paar HHansEinseln Zuflucht finden konnten, rückten tiefer ins Landesinnere vor. Andere wiederum haben sich den Fluten angepasst, indem sie sogenannte TAFs (Temporary Autonomous Fleets) schufen, die sowohl entlang des Deltas als auch im HHarchipel hin und her schwimmen… »

in Hamburg im Juni/Juli 2022 wird die Chronik der Meerlbe  im Rahmen des Projekts MiliEAUX | WassERde entwickelt.

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